BDPM e. V.
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Impressum

   

Jour fixe  

Am ersten Mittwoch jedes geraden Monats um 20:00 Uhr laden wir Mitglieder und Freunde herzlich in die Geschäftsstelle (Ansbacher Str. 13, 4. OG, 10787 Berlin) ein, um sich mit Kollegen über aktuelle Themen aus Praxis und Berufsalltag auszutauschen. Sollte der erste Mittwoch eines geraden Monats auf einen Feiertag oder in die Ferienzeit fallen, findet der Jour fixe am darauf folgenden Mittwoch statt. In den Sommerferien findet kein Jour fixe statt.

Die Termine für 2017:

01.02.2017 (fällt aus)
05.04.2017
14.06.2017
04.10.2017 
06.12.2017

   

Anmeldung für Mitglieder des BDPM

   

Kommentar Anna Goeldel - Wenn wir könnten, wie wir könnten...

Details

Jeden Tag Anrufe von Patienten und Angehörigen, Anfragen per E- Mail, direkte Anrufe von engagierten Kolleginnen und Kollegen oder Sachbearbeitern der Krankenkassen. Halbe Lebensgeschichten auf dem Anrufbeantworter. Wer kennt dies nicht?!

Die Not und die Verzweiflung, irgendwo psychosomatische Hilfe zu erhalten sind enorm groß. Und das nicht nur gefühlt in der täglichen ambulanten Arbeit.

Wir wissen längst, dass diese Not die Realität abbildet, die Realität nämlich, dass psychosomatische Erkrankungen bei Kindern und Erwachsenen  in den letzten Jahren extrem zugenommen haben und immer weiter zunehmen werden.

Die Fragen nach den Ursachen und Wirkungen bedürfen erstens sicherlich einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion und zweitens einer Diskussion um die Risiko- und Schutzfaktoren und daraus abgeleitet die Etablierung von Präventionsmaßnahmen zur Verhinderung und Verschlimmerung psychosomatischer Krankheitsbilder. Aber soweit sind wir nun leider noch nicht. Derzeit spielen vor allem die Einzelschicksale der Menschen eine bedeutsame Rolle, die jetzt sofort Hilfe brauchen, weil sie eben schon oft über Jahre psychosomatisch erkrankt sind.

Gesellschaftlich und volkswirtschaftlich betrachtet, verursachen psychosomatische Erkrankungen nachgewiesen enorme Kosten. Hierbei geht es vor allem um lange Arbeitsunfähigkeitszeiten, Erwerbsunfähigkeiten, Frühberentungen aber auch um Folgeerkrankungen, iatrogene Fixierungen und Ärztehopping. Die Patienten fühlen sich nicht verstanden, nehmen daher jegliche Diagnostik mehrfach in Anspruch und auf sich, ohne dass für sie letztlich ein konkretes Behandlungskonzept erstellt wird, das hilfreich ist und die Symptomatik vermindert.

Diese Tatsachen belegen geradezu das massive Versorgungsdefizit in der Psychosomatischen Medizin, dass unter den jetzigen Bedingungen derzeit so aber unmöglich bewältigt werden kann.

Dieses Defizit spüren wir als Fachärzte für Psychosomatische Medizin täglich. Gerade die Menschen, die sich aus Scham und Versagensgefühlen oft sowieso schwer tun psychosomatische Hilfe in Anspruch zu nehmen, fühlen sich von uns Fachärzten abgelehnt oder vertröstet. Sie erreichen uns meistens noch nicht einmal persönlich, müssen erst mit unseren Anrufbeantwortern sprechen und dann auch noch auf den Rückruf warten. Dann bekommen sie oft noch nicht einmal in absehbarer Zeit einen Termin, geschweige denn eine Behandlung und auch keine andere Anlaufstelle in Aussicht gestellt. Erschwerend kommt  noch hinzu, dass nicht jeder Patient zwangsläufig zu jedem Therapeuten „passt“, und auch nicht jede Behandlungsform zu jedem Patienten.

Frustriert sind aber nicht nur die Patienten, sondern auch die Fachärzte für Psychosomatische Medizin, die natürlich mit der verständlichen Empörung oder der extremen Verzweiflung dieser Patientenklientel konfrontiert werden, gerade weil sie ja wissen, dass die Patienten eigentlich bei ihnen richtig wären und sie die Kompetenz besitzen ihnen helfen zu können. Das Problem ist aber nach wie vor, dass alle Leistungen jenseits der Richtlinientherapien nicht adäquat honoriert werden, woraus sich schon längst ein Konflikt entwickelt hat, der sich auf die Frage reduziert, wie viel psychosomatische Professionalität man sich eigentlich finanziell leisten will und kann und/ oder ob man versucht, dieses Dilemma wenigstens teilweise mit der Beantragung von vielen Kurzzeittherapien nach Ziffer 35200 zu überbrücken.

Tatsache ist, dass sich diese psychosomatische Professionalität der Fachärzte umfassend nur in der variablen Kombination von Facharztleistungen Kpt. 22 und  Kpt.35 abbilden lässt und dass solche „Versorgungspraxen“ nur bei gleichgestellter Honorierung beider Kapitel funktionieren und existieren können. In Berlin können derzeit zwar Richtlinienkapitel  und Facharztkapitel innerhalb des Minutenbudgets zeitlich variabel abgerechnet werden. Allerdings floatet die Honorierung der Facharztleistungen (nach unten), um die nicht mehr zu finanzierende Anzahl von  Richtlinietherapien gesetzesmäßig vergüten zu können. Und so ist der Facharzttopf zum Ausgleichstopf geworden und die Honorierung der Facharztleistungen könnte gegen Null tendieren.

So kann man sich dann als Facharzt entscheiden zwischen professioneller kompetenter Behandlung mit der Folge finanzieller Einbußen und dem Richtlinien-Therapeuten mit Einschränkung des Handlungsspielraums, Verbiegung der eigenen Identität und dem Wissen, dass die Versorgungslücke immer größer wird.

Was wird denn bestenfalls unter notwendiger Versorgung verstanden?

Versorgung bedeutet herkunftsmäßig die Bereitstellung von etwas Fehlendem oder dringend Gebrauchtem; Versorgung in der Psychosomatischen Medizin dementsprechend die Bereitstellung eines breitgefächerten Behandlungsangebots zur Tilgung des Bedarfs.

Was bedeutet  das nun konkret für die Fachärzte für Psychosomatische Medizin?

Optimalerweise würde man doch eine zeitnahe, individuell patienten– und prozessorientierte Versorgung benötigen.

Im Detail ginge es um eine Bandbreite angefangen von Diagnostik, Differentialdiagnostik, Beratung, Information über Einzel-, Gruppen-, Paartherapien und Angehörigengesprächen bis hin zu Pharmakotherapie,  Präventionsmaßnahmen und  anderen Verfahren wie Autogenem Training, progressive Muskelentspannung etc.. Auch wären Schwerpunktthemen wie beispielsweise Schmerzen, Trauma, Essstörungen hilfreich, sowie natürlich eine Vernetzung und ein konstruktiver Austausch mit Hausärzten und anderen Fachärzten.

Wie könnte das gelingen?

Vorraussetzung für dieses Behandlungspaket sind die Möglichkeiten von variablen Stundenfrequenzen und unterschiedlichen Kontaktzeiten, einer Akutsprechstunde, Anstellung von Personal und eine angemessene Praxisgröße und vor allem die Vergütung von Richtlinienpsychotherapie und Facharztziffern in gleicher Weise, so dass die höheren Betriebskosten gedeckelt werden können. Nur dann sind viel höhere Fallzahlen möglich, die vor allem die Versorgungslücke der psychosomatisch erkrankten Patienten, die nicht in die Richtlinientherapie „passen“, tilgen könnte.

Einige Kolleginnen und Kollegen haben ihre Praxen trotz allem schon seit längerem in solche Versorgungspraxen umstrukturiert, wobei sich die Kompetenzen der Kolleginnen und Kollegen in Ziffern abbilden lassen, diese jedoch abhängig von den Landes-KVen  mehr oder minder adäquat honoriert werden.

Dort jedenfalls können die Patienten zeitnah einen Termin bekommen, so dass erstmal neben der wichtigen Entängstigung ein Behandlungskonzept erstellt werden kann. Oft benötigen diese Patienten nicht jede Woche eine 50-minütige Stunde, sondern viel niederfrequenter oder auch fraktionierte Kontaktangebote, kürzer in der Zeit oder auch nur mal ein Telefonat. Häufig sind für diese Patienten Psychosomatische Gruppen sehr hilfreich- übrigens auch günstig für die Kassen- und befassen sich unter anderem schwerpunktmäßig mit einzelnen Themen oder Erkrankungen. Einzel- und Gruppentherapien werden auch kombiniert genutzt, was wie in den Kliniken sehr förderlich ist. Die Fallzahl ist in diesen Praxen deutlich gestiegen, die Zufriedenheit ärztlich- psychosomatisch arbeiten zu können  auch.

Es ist sehr viel möglich.

Dazu brauchen wir aber auch eine starke berufspolitische Vertretung, die in Form der DGPM und des jetzt aktuell neu gegründeten Berufsverbands Deutschland Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (BDPM) und seinen derzeit im Aufbau befindlichen Landesverbänden unsere Interessen gemeinsam vertritt und somit die finanzielle Grundlage, eine geregelte Bedarfsplanung, sowie die Weiterbildung in den Praxen ohne ökonomischen Verlust durchsetzt und dadurch eine breitgefächerte Versorgung grundlegend ermöglicht.                                

Wenn wir könnten, wie wir könnten, würden wir wie alle anderen Ärzte auch, den Versorgungsauftrag unserer Kompetenz entsprechend annehmen und eine zeitnahe, patienten- und prozessorientierte psychosomatische Behandlung gewährleisten. Das Wissen um Ursachen, Entwicklung, Manifestation, Chronifizierung und um Behandlungsmöglichkeiten haben wir!

 

Dr. med. Anna Goeldel

Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Psychoanalyse

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