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Jour fixe  

Am ersten Mittwoch jedes geraden Monats um 20:00 Uhr laden wir Mitglieder und Freunde herzlich in die Geschäftsstelle (Ansbacher Str. 13, 4. OG, 10787 Berlin) ein, um sich mit Kollegen über aktuelle Themen aus Praxis und Berufsalltag auszutauschen. Sollte der erste Mittwoch eines geraden Monats auf einen Feiertag oder in die Ferienzeit fallen, findet der Jour fixe am darauf folgenden Mittwoch statt. In den Sommerferien findet kein Jour fixe statt.

Die Termine für 2017:

01.02.2017 (fällt aus)
05.04.2017
14.06.2017
04.10.2017 (fällt aus)
06.12.2017

   

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Patienten-nah statt Psychopharmaka

Details

MEDIZINISCHES VERSORGUNGSZENTRUM

für körperliche und psychische Gesundheit

Timmermann und Partner

 

Pressemitteilung

 

Patienten-nah statt Psychopharmaka

Jochen Timmermann, Facharzt für Psychosomatische Medizin, zum komplexen Thema „Behandlung seelischer Erkrankungen“

 

Cuxhaven (eb).  Ärzte in Deutschland verschreiben Frauen mehr Arzneimittel als Männern, vor allem, was die Verordnung von Psychopharmaka betrifft. Und: Nach einem aktuellen Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse sind die psychisch bedingten Fehlzeiten erneut gestiegen – eine Thematik, die in den vergangenen Tagen von verschiedenen Medien aufgegriffen wurde.  Der Cuxhavener Facharzt für Psychosomatische Medizin Jochen Timmermann, Ärztlicher Leiter des Medizinischen Versorgungszentrums Timmermann und Partner, versteht dies als komplexe Problematik, die einer gezielten, individuellen Herangehensweise bedarf, und sieht psychosomatische Erkrankungen als Seuche des 21. Jahrhunderts, der keineswegs mit Psychopharmaka beizukommen ist: „Diese Medikamente lindern bestenfalls die Symptome. Zugrunde liegen einer solchen Erkrankung Lebenskonflikte, die mit der Person selbst und ihrer Geschichte zu tun haben – und das kann nicht mit Tabletten, deren Suchtpotenzial zudem bedenklich ist, therapiert werden. Im Hintergrund stehen in der Regel alte Konflikte, im Vordergrund dann die aktuelle Krise, die zum Beispiel durch Probleme in der Partnerschaft oder im Beruf ausgelöst wird. Die Behandlung der Wahl ist immer eine Psychotherapie, gegebenenfalls unter stationären Bedingungen, wobei das psychosomatische Konzept immer mit verschiedenen Behandlungsmethoden arbeitet und die ganze Familie mit einbezieht.“

In punkto Therapieplatz liegt nach Meinung des Facharztes vieles im Argen: „Darauf müssen die Patienten viel zu lange warten, im Schnitt ein halbes Jahr. Manchmal passt dann der ausgewählte Therapeut nicht zum Patienten und die Wartezeit beginnt erneut oder es ist doch eine stationäre Behandlung angebracht, bis zu deren Beginn dann wieder Monate verstreichen.“ Dazu kommt laut Timmermann, dass die seelischen Probleme vieler Menschen sich in körperlichen Beschwerden äußern und – nicht erkannt – über einen langen Zeitraum stattdessen körperlich behandelt werden. So dauert es im Durchschnitt bis zu sieben Jahre, bevor die psychosomatische Diagnose gestellt und der Patient an einen Psychosomatiker verwiesen wird. Das bedeutet nicht nur eine lange Leidenszeit für die Betroffenen, sondern auch einen enormen finanziellen Aufwand durch eine in vielen Fällen unnötige Diagnostik und Therapie. Es fehlt zudem insgesamt an der notwendigen flächendeckenden, gemeinde- und familiennahen Versorgung.

„Die große Masse der psychisch kranken Patienten, die unsere Hilfe brauchen, führt  dazu, dass sie sich wegen mangelnder Kapazitäten oft mit einer Krisenintervention oder einer Kurzzeittherapie zufriedengeben müssen. Nur ist das Problem damit nicht gelöst, die Betroffenen kommen wegen ihres nach wie vor bestehenden Leidensdrucks immer wieder oder lassen sich erneut Psychopharmaka verschreiben – ein Teufelskreis und gleichzeitig ein ungeheurer Druck auch für uns Ärzte.“ Ziel müsse es vielmehr sein, zeitnah zur Entstehung der psychischen Erkrankung zu behandeln, so der Facharzt, der folgende Lösungsansätze ausmacht: „Die Säulen unseres Gesundheitssystems, ambulante, akutstationäre- sowie Reha-Versorgung, müssten deutlich besser vernetzt sein. Dazu gehören auch Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen, psychosomatische Versorgungspraxen und Psychotherapeuten. Patienten sind in diesem System bislang eher ‚Objekte der Versorgung beziehungsweise Fehlversorgung‘ als selbstbestimmte Subjekte, die ihre Interessen wahrnehmen. Letzteres ist natürlich auch eine Folge der Symptome einer psychosomatischen Erkrankung wie Ängste oder Depressionen. Ziel muss es also sein, die Patienten sozial zu aktivieren“. Dies könne eine konsequente Wissensvermittlung erreichen, etwa über Selbsthilfeorganisationen und Beratungsstellen, die sich in anderen Bereichen, zum Beispiel bei Suchterkrankungen, bereits etabliert haben.

Die Hausärzte seien angesichts des Ansturms von Patienten überfordert und bedürften außerdem ebenfalls einer deutlich besseren Vernetzung mit dem fachärztlich-psychosomatischen Versorgungssystem. Idealerweise sei dies eine psychosomatische Versorgungspraxis, in der – im Gegensatz zur „Einzelkämpfer-Praxis“ mit ausschließlich angebotener Einzelpsychotherapie – ärztliche Fallmanager für die Organisation und Gestaltung der Behandlung verantwortlich sind. „Einen Termin beim Facharzt sollten Patienten sofort beziehungsweise innerhalb von zwei Wochen bekommen. Außerdem müssen wir von der ausschließlichen Einzelpsychotherapie hin zu mehr Gruppentherapie, andere niederschwellige Therapieverfahren wie Entspannungsmethoden sind außerdem zu etablieren.“

Eine Lösung sieht Jochen Timmermann auch in einer deutlich verstärkten Prävention: „Vorbeugen ist immer besser als heilen. Für die Betroffenen bedeutet dies, nicht oder nicht so schwer krank zu werden und für das Gesundheitssystem deutlich weniger Kosten. Im Grunde genommen müsste man schon den Kindergartenkindern erklären, dass es psychische Erkrankungen gibt, und vor allem, dass sie Jeden treffen können, man sich nicht dafür schämen muss und es Hilfe gibt“. Auch Arbeitgeber seien bei der Prävention unbedingt gefragt. Stichwort ‚Burn-out“: „In Betrieben versagt oft die Führung. Der Kontakt zu den Mitarbeitern wird vernachlässigt. Die Leute stehen zu sehr unter Druck, niemand traut sich zu sagen: ‘Ich kann nicht mehr‘. Die aktive Vorsorge für und das Interesse an den Mitarbeitern in die Firmenkultur zu integrieren, ist eine sehr effiziente Form einer solchen Prävention, die lange Krankenzeiten verhindern hilft“

Zur Problematik  der Gabe von Psychopharmaka stellt Jochen Timmerman abschließend fest, dass drei Viertel aller psychosomatisch behandelten Patienten bislang Frauen waren, obwohl Männer in gleicher Weise durch Lebenskonflikte betroffen sind – sie reagieren allerdings anders darauf. „Während Frauen tendenziell depressiv sind und dazu neigen, sich mit einer ‚Droge‘ abspeisen zu lassen, agieren Männer ihre psychischen Störungen eher aggressiv aus, weil sie nicht in der Lage sind, sich ihre Erschöpfung und Schwäche einzugestehen. Seit der Begriff „Burn-out“ eine legitime Diagnose ist und nicht bedeutet, dass Jemand ein Versager ist, sondern sich bis an den Rand seiner Kräfte verausgabt hat, kommen immer mehr Männer in die psychosomatische Praxis. Es wäre jammerschade, wenn diese Diagnose von der Pharmaindustrie ‚eingefangen‘ und mit Medikamenten ‚beruhigt’ würde. Die Chance für eine Aufarbeitung der zugrundeliegenden Konflikte wäre damit vertan.“

   

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